Stadionverbot – was darf ein Fußballfan und was nicht?

Regeln für ein erfolgreiches Wochenende im Fußballstadion

Nicht selten passieren beim deutschen Fußball die aufregendsten Dinge abseits des Spielfelds, wenn Emotionen überkochen und nicht nur rein verbale Kämpfe zwischen den Anhängern konkurrierender Mannschaften ausbrechen. Dieser Problematik sehen sich immer mehr Clubs gegenübergestellt, schließlich haften die Vereine für ihre Fans, sodass unangebrachtes und gefährdendes Verhalten schon oft zu hohen Geldbußen geführt hat. Neben finanziellen Sanktionen und Ausschlüssen von Turnieren kommt es auch immer häufiger zum Stadionverbot. Aktuellstes Beispiel ist hier Borussia Dortmund, dessen Fans nach dem Zeigen von Plakaten bei der Partie gegen den Fußballclub RB Leipzig, auf welchen u.a gewaltverherrlichende Sprüche gegen Polizisten zu lesen waren, von der Südtribüne im Spiel gegen den Vfl Wolfsburg am 18. Februar 2017 verbannt wurden.

Die WWK Arena in Augsburg - einer der neuesten Arenen in Deutschland

Die WWK Arena in Augsburg – einer der neuesten Arenen in Deutschland

Fotoquelle: https://www.fussballnationalmannschaft.net/stadien-der-fussball-bundesliga/wwk-arena-augsburg

Wie sehen die Stadionverbotsrichtlinien aus?

Als sogenannter Dachverband mit zahlreichen Unterorganisationen agiert der Deutsche Fußball-Bund, kurz DFB, bereits seit 1900 als überwachende Instanz. Seitdem vor allem immer mehr junge Fans zu Ausschreitungen neigen und somit gerade bei Bundesligaspielen der reibungslose Ablauf nur mit einem erheblichen Mehraufwand realisiert werden kann, sah sich der DFB gezwungen im November 2016 die Stadionverbotsrichtlinien zu verschärfen. Bei einem Stadionverbot handelt es sich hierbei der Definition nach um eine festgesetzte Untersagung gegen eine natürliche Person auf Basis des Hausrechts. Kommt es seitens eines Fans im oder außerhalb des Stadions zu Handlungen, die die Menschenwürde verletzten oder ein Sicherheitsrisiko darstellen, wird dieser zukünftig bei vergleichbaren Veranstaltungen befristet vom Platz verwiesen. Dieses Verbot kann regional und – in besonders schweren Fällen- bundesweit gültig sein. Damit ein Fan für eine bestimmte Dauer deutschlandweit vor, während und nach Fußballspielen vom Platz und aus Hallen verwiesen wird, muss einer der folgenden Sachverhalte vorliegen:

• Gewaltanwendung gegen Leib, Leben und fremde Sachen mit erheblichem Schaden
• gefährdende Eingriffe in den Verkehr
• Verstöße gegen Waffen-und Sprengstoffgesetz
• Beeinträchtigung öffentlicher Betriebe
• Nötigung
• Land-und Hausfriedensbruch
• Gefangenenbefreiung
• Raub-und Diebstahl
• Rechtsradikale Handlungen
• Einschleusen und/oder Abbrennen von Pyrotechnik
• Missbrauch von Notrufeinrichtungen
• Handlungen nach §27 Versammlungsgesetz

Neben den soeben aufgezählten, strafrechtlich relevanten Zuwiderhandlungen, finden sich in den Stadionverbotsrichtlinien auch zahlreiche Punkte, die ohne ein etwaiges Verfahren zu einem Verbot führen können. Dies trifft vor allem dann zu, wenn es in der Vergangenheit bereits zu einer Ingewahrsamnahme oder einem schriftlich erfolgtem Verbot gekommen ist. Ist dies nicht der Fall, führt ein Fan jedoch Waffen bei sich, mit der Absicht zur Straftat, kann natürlich ebenso ein Stadionverbot ausgesprochen werden. Beim aktuellen Vorfall bei Borussia Dortmund wurde vor allem die Richtlinie wirksam, nachdem keinerlei Transparente gezeigt oder verunglimpfende Äußerungen getätigt werden dürfen, die die Menschenwürde verletzen.

Was hat sich verändert und was bedeutet dies?

Durch die neuen Regelungen zum Stadionverbot hat sich vor allem die Dauer der Sperre in vielen Fällen verändert. In der alten Fassung wurde entsprechend der Schwere des Vergehens ein Verbot bis zum 30. Juni des auf die aktuelle Spielsaison folgenden Jahres ausgesprochen, beziehungsweise auf das zweite oder dritte darauffolgende Jahr. Was im ersten Moment wie eine maximal dreijährige Sperre klingt, konnte jedoch durch das Anfangsdatum des Stadionverbots bedeutend länger ausfallen. Wurde jemand beispielsweise am 30.06.2013 gesperrt, so erlosch das Verbot erst am 30.06.2015, was bereits bei einem minder schweren Fall bereits fast zwei Jahre Sperre bedeutete. Diese unvorteilhaft gewählte Formulierung wurde mit den neuen Stadionverbotsrichtlinien aufgehoben, da nun eine genaue Dauer in Monaten vorgegeben ist. Dennoch haben sich die Sanktionen verschärft, denn gerade für Wiederholungstäter kann es nun sein, dass sie bis zu 60 Monate in kein Stadion mehr dürfen. Diese Veränderungen haben wütende Aufschreie unter den Anhängern verursacht, immerhin lebt der deutsche Fußball vor allem durch seine Fans. Doch für diese bedeutet die Verschärfung der Regeln vor allem erschwerte Anreisebedingungen und zahlreiche Kontrollen beim Einlass.

Gibt es Möglichkeiten, ein Stadionverbot aufzuheben?

Bereits seit 2006 kämpft deswegen bereits der gemeinnützige, aus Spenden finanzierte Fanrechtefonds für die Beseitigung zahlreicher Stadionverbote, da Fans oftmals als Gruppe und nicht einzeln agierende Individuen bewertet werden. Kommt es zum Beispiel bei der Anreise im Bus oder mit dem Zug zu Ausschreitungen zwischen wenigen Personen, kann es sein, dass für alle anwesenden Fans ein Stadionverbot ausgesprochen wird, auch wenn ein Verfahren im Laufe der Zeit aufgrund von Nichtigkeit und fehlender Beweise eingestellt wird. In der bis dahin verstreichenden Zeit gilt das Stadionverbot dennoch. Der Fanrechtefonds prüft in Zusammenarbeit mit überregionalen Fanorganisationen und Anwälten daher die rechtliche Grundlage für den Ausspruch eines Stadionverbots. Es kommt vereinzelt zwar zu Unterstützung privater Personen, doch der Zweck des Fanrechtefonds besteht nach eigener Aussage darin, auf künftig entstehende Verfahren Einfluss zu nehmen und die Rechte der Anhänger von Fußballvereinen zu stärken. Hierin besteht der größte Unterschied zu anderen Fanhilfen, denn es wird sich vor allem auf sogenannte Präzedenzfälle fokussiert, deren Urteile für die Allgemeinheit genutzt werden können.

Fußball-Weltmeisterschaft 2018: Russlands Hooligans rüsten auf

Wo hierzulande versucht wird, die Friedfertigkeit aufrechtzuerhalten und Übergriffe von Hooligans zu unterbinden, lässt sich ein sorgenvoller Blick Richtung Russland werfen, wo 2018 die Weltmeisterschaft im Fußball ausgetragen wird. Russland gerät nicht nur politisch immer wieder in die Schusslinie, denn auch zwischen den Anhängern der einzelnen Teams werden Konfrontationen provoziert. Deutsche Fans, die darüber nachdenken, 2018 in Russland live dabei zu sein, dürfen sich laut Aussagen russischer Hooligans auf ein „Festival der Gewalt“ gefasst machen. In der von BBC produzierten Dokumentation „ Russia´s Hooligan Army“ wird zudem vor allem den Engländern gedroht, da interviewte Anhänger der „Orel Butchers“ die britischen Fans als direkte Kampfgegner ansehen, da der Ursprung der Hooligan-Szene in England liegt. Schon seit Jahren hat der russische Fußball Probleme mit Gewaltexzessen. So kam es bereits 2016 in Frankreich zu massiven Ausschreitungen zwischen den einzelnen Gruppierungen. Damals war Marseille der Schauplatz von zahlreichen Sachbeschädigungen und Angriffen mit Tränengas. Ob sich dies 2018 wiederholt, wird sich zeigen, doch Aussagen der russischen Hooligans, nachdem zu 100% Übergriffe geplant sind, lassen dies stark vermuten.

Deutschland beim Länderspiel in Stuttgart

Deutschland beim Länderspiel in Stuttgart, Quelle: https://www.deutschlandtrikot.de/

Fazit: Es ist schwer ein Fußballfan zu sein

Seiner Mannschaft gerade bei Auswärtsspielen den Rücken zu stärken, wird zunehmend schwieriger. Denn in der Praxis beeinflussen die zahlreichen Richtlinien zum Stadionverbot nicht nur die Hardliner unter den Anhängern, von denen ein klar erkennbares Sicherheitsrisiko ausgeht. Auch friedfertige Fans, die ihrem Team im Stadion die Daumen drücken wollen, geraten in die wachsende Gewaltproblematik. Die steigende Anzahl an Vorfällen erschwert nicht nur den Tag am Fußballfeld, sondern bereits die Anreise. Gerade bei Auswärtsspielen kommt es immer häufiger zum Aussprechen einer Sperre. Wo ein Verein in seinem eigenen Stadion das Hausrecht innehat und in vielen Fällen selbst abwägen kann, wie ein Vergehen geahndet wird, werden angebliche Zuwiderhandlungen bei Auswärtsspielen meist strafrechtlich verfolgt, sodass das Hausrecht an den DFB übertragen wird und dieser ein bundesweites Stadionverbot aussprechen kann. Für den Fan bedeutet dies in der Praxis meist, dass es besser ist, zuhause zu bleiben und seinem Lieblingsverein nicht nachzureisen. Andernfalls kann es nicht selten passieren, dass Einzelpersonen schon anwesenden Fangruppen zugewiesen werden. Verhalten sich diese auffällig, kommt es schnell zur Ingewahrsamnahme, sprich einem Aufenthalt auf der Polizeiwache, der Erfassung der Personalien und der Weiterleitung der Angelegenheit an den Deutschen Fußball-Bund. Für viele Fans ist der Fußball damit mittlerweile zu bürokratisch geworden, denn wo früher ausgelassene Feiern auf den Tribünen die Normalität waren, klatscht man heutzutage lieber verhalten. Auf den Seiten der einzelnen Mannschaften lassen sich in der Regel Anweisungen finden, wie ein Stadionverbot vermieden werden kann, denn auch wenn das Mitführen von beispielsweise Pyrotechnik nicht zwangsläufig die Absicht einer Störung der Sicherheit haben muss, wird dies aufgrund der verschärften Situation mittlerweile so ausgelegt. Ja, es ist ganz schön schwer geworden, ein normaler Fußballfan zwischen der wachsenden Anzahl an Hardlinern zu sein, denn wo tausende Menschen aufeinander treffen, ist es kompliziert das Individuum zu sehen, sodass letztlich jeder Fan im Voraus abklären sollte, was er darf und was nicht und wie er seine Anreise am unproblematischten gestaltet!